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Der Kurpark in Bad Sooden-Allendorf
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Vom Salzwerk zum Heilbad

1866 fiel das Salzmonopol, 1906 wurde das letzte Mal gesotten — und dazwischen hat die Stadt aus derselben Sole ein zweites Geschäft gemacht. Seit Juni 2026 heißt sie amtlich „Heilbad Bad Sooden-Allendorf".

Wo heute der Kurpark liegt, standen über achtzig Siedekote. Dieselbe Sole, die vier Jahrhunderte lang zu Salz verkocht wurde, versorgt jetzt ein Gradierwerk, eine Therme und sechs — oder drei, je nach Zählung — Kliniken. Diese Seite erzählt den Wechsel und nennt die Zahlen dazu, auch die unangenehmen.

Die Wende: 1866 bis 1906

Die Saline war um 1555 eine der bedeutendsten Deutschlands. Was sie trug, war nicht die Sole allein, sondern das Salzmonopol — der Landesherr bestimmte, wer Salz verkaufen durfte und zu welchem Preis. 1866 kam Kurhessen an Preußen, das Monopol fiel, und der Preis fiel mit ihm. Ein Salzwerk, das gegen Steinsalzbergwerke und Meersalz antreten musste, hatte an der Werra keine Chance.

Die Umstellung lief dann über vier Jahrzehnte parallel: Das Sieden wurde immer unrentabler, und gleichzeitig entdeckte man, dass sich mit der Sole auch anders Geld verdienen lässt. 1906 wurde das letzte Mal gesotten — die Vereinsunterlagen nennen den 1. April 1906.

Eine Zahl aus der Salinenzeit gehört hierher, weil sie erklärt, warum überhaupt so viel Sole zur Verfügung stand: 1852 wurden nahe dem Gradierwerk Nr. 5 mehrere hochprozentige Solequellen entdeckt. Ausgerechnet als das Salzgeschäft zu Ende ging, hatte die Stadt mehr und bessere Sole als je zuvor. Genaueres zur Technik steht auf der Seite Salz und Sole.

1881: das Badehaus

Ein Solebadehaus gab es schon 1818 — das „Solebadehäuschen" von 1818 steht heute als Denkmal in der Freilichtabteilung des Salzmuseums. Das eigentliche Datum der Kurstadt ist aber der 1. Juni 1881: Einweihung des Badehauses, Beginn der ersten Badesaison. Seit diesem Jahr trägt die Stadt das Prädikat Heilbad; bei der letzten Überprüfung 2023 wurde es erneut bestätigt, jeweils für zehn Jahre.

1929, am 1. Juli, wurden Allendorf und Sooden durch Verfügung des Preußischen Staatsministeriums zu einer Stadt vereinigt — der eine Teil die mittelalterliche Fachwerkstadt, der andere der Kurbezirk.

Zwei Begriffe, die oft verwechselt werden

„Soleheilbad" und „Solebad" sind keine verliehenen Prädikate, sondern Selbstbeschreibungen. Das amtliche hessische Prädikat lautet Heilbad, das anerkannte Heilmittel ist Sole. Und wann genau das „Bad" in den Stadtnamen kam, ist unklar: die Stadt führt es auf die Anerkennung 1881 zurück, andere Darstellungen auf die Vereinigung 1929. Einen Verleihungsakt mit Datum haben wir nicht gefunden.

Der Kurpark und was dort verschwand

Der Kurpark liegt auf dem Gelände der Saline. Vorher standen hier über achtzig Siedekote — die Hütten, in denen die Pfänner ihre Pfannen betrieben. Die Arbeiterhäuser ringsum stehen noch: die Fachwerkzeilen Weinreihe und Lange Reihe. Der Solgraben, ab dem 15. Jahrhundert angelegt, trieb die Wasserräder an, die die Sole zum Gradierwerk hochpumpten.

Der jüngste Umbau war ein harter Schnitt. Im Herbst 2005 wurde der Kurmittelhaus-Komplex samt Veranstaltungshalle abgerissen. Im April 2007 war das neue Kultur- und Kongresszentrum betriebsbereit. Und am 1. April 2007 wurde die Straße „Am Gradierwerk" eingezogen und dem Kurpark zugeschlagen: Sooden ist seither ein Kurbezirk ohne Durchgangsverkehr.

Der Einwand, der damals im Verein erhoben wurde

Im Verein wurde dieser Umbau von Anfang an zwiespältig bewertet: gestalterisch eine „gelungene Bereicherung", aber schlechter erreichbar für ältere und mobilitätseingeschränkte Gäste, die mit dem Auto kommen — eine „Abkehr vom Sozialbad". Das war eine Meinung, keine Messung — aber sie wurde vertreten, und wir unterschlagen sie nicht. Ob sie recht hatte, lässt sich an den Übernachtungszahlen unten ablesen: der Rückgang lag lange vor 2007.

Was heute im Kurbezirk steht

Das Gradierwerk

Erhalten ist Gradierwerk Nr. 5 von 1638, 140 Meter lang. Der Wandelgang oben darauf, das Freiluftinhalatorium, wurde 1887 gebaut — also sechs Jahre nach dem Badehaus, mitten in der Aufbauphase des Kurbetriebs. Von 1999 bis 2002 wurde das Werk in zwei Abschnitten vollständig abgetragen und neu gebaut; die Übergabe an die Öffentlichkeit war im Juni 2002, Restarbeiten liefen bis 2003. Rund 85 Prozent sind frei und ohne Eintritt zugänglich. Mehr dazu auf der Seite Gradierwerk.

Zur oft zitierten Zahl der Gradierwerke: bis zu 22 verschiedene sind für Sooden bekannt, gleichzeitig in Betrieb waren höchstens 14. Die alte Angabe „von den ursprünglich 22 (14)" war also nicht falsch, nur unerklärt.

Die WerratalTherme

Eröffnet 2005, betrieben von der Bad Sooden-Allendorf Kurbetriebs GmbH, 2026 in Betrieb. Sole mit 3 Prozent Salzgehalt bei 32 Grad; Innen- und Außensolebecken, ein Wellenbecken von 420 m², sechs Saunen, Dampfbad, Solegrotte, ein Saunagarten von etwa 1.000 m². Das historische Gradierwerk ist als Freiluftinhalatorium in die Anlage einbezogen. Das oft genannte Eröffnungsdatum 15. Juni 2005 konnten wir nicht belegen; belegt ist das Jahr.

Das Werratal Kultur- und Kongresszentrum

2007 eröffnet, mitten im Kurpark. Saal Mozart 460 m² mit 606 Sitzplätzen, erweiterbar auf 750 Sitz- oder 1.600 Stehplätze; Foyer 360 m²; Seminarräume Bach (86 m², 50 Plätze) und Beethoven (148 m², 90 Plätze).

Die Baumelbänke

Eine Erfindung aus dem Verein: die Baumelbänke sind eine Kreation des Vereinsmitglieds Herbert Stettinius für die Stadt. Man setzt sich und lässt die Beine baumeln — der Gesundheit zuliebe. Dokumentiert sind eine Bank am Aufgang zum Wandelgang und eine am Schwanenteich; die Stadt führt sie in ihrer Montags-Stadtführung als „einzigartig". Wie viele es inzwischen sind und seit wann, steht in keiner Quelle — eine Frage an den Verein selbst.

Dazu im Kurpark: Salzmuseum, Tourist-Information, SpielGolf mit 18 Bahnen, Freiluftschach, Spielplatz. Die Kneipp-Anlage liegt nicht im Kurpark, sondern in der Hörnestraße; weitere Wassertretstellen gibt es „Am Bruch", „Unter der Hardt" und am Ahrenberg.

Eine Korrektur am eigenen Haus: Von einer „Wandelhalle" im Kurpark ist gelegentlich die Rede. Es gibt keine. Gemeint ist der Wandelgang auf dem Gradierwerk, 1887.

Der Name: seit Juni 2026 amtlich „Heilbad"

Im Juni 2026 hat Bad Sooden-Allendorf einen amtlichen Namenszusatz bekommen und heißt seither „Heilbad Bad Sooden-Allendorf". Rechtsgrundlage ist das Kommunale Flexibilisierungsgesetz mit der Änderung von § 13 Abs. 2 der Hessischen Gemeindeordnung; die Voraussetzungen regelt die hessische Kurortverordnung. Die Urkunden überreichte Innenminister Roman Poseck in Bad Homburg — sechzehn hessische Heilbäder und Kurorte durften ihre Ortsschilder ändern. Bad Sooden-Allendorf wählte „Heilbad"; mit 26 Zeichen ist das einer der längsten Ortsnamen Hessens.

Das ist so neu, dass es in den meisten Nachschlagewerken noch nicht steht. Für diese Website heißt es: Auf den Ortsschildern steht künftig mehr, als auf unseren Seiten steht. Wir führen weiterhin „Bad Sooden-Allendorf", weil das der Name ist, unter dem die Stadt gesucht wird — und nennen den Zusatz hier.

Die Zahlen

Ein Heilbad lebt von Gästen, und Gäste sind zählbar. Beide Reihen stammen aus amtlicher Statistik beziehungsweise aus dem Kurortentwicklungskonzept der Stadt von 2023.

Einwohner der Stadt (Hessisches Statistisches Landesamt)
JahrEinwohner
19394.266
19455.324
19507.212
19606.306
19656.641
19706.915
19759.549
19809.914
19859.887
199010.383
199510.259
20009.674
20058.968
20108.359
20158.463
20208.460
20228.394
20248.141
Gästeübernachtungen
JahrÜbernachtungen
2012423.187
2013422.092
2014420.202
2015422.073
2016422.791
2017415.079
2018410.645
2019416.904
2020239.499
2021284.877
2022318.705
2024335.900

Der Höchststand der Einwohnerreihe liegt 1990 bei 10.383. Bis 2024 sind es 8.141 — ein Rückgang um 2.242 Personen, also 21,6 Prozent in 34 Jahren. Der stärkste Einbruch liegt zwischen 1995 und 2010.

Bei den Übernachtungen ist das Bild anders: von 2012 bis 2019 lagen sie stabil zwischen 410.000 und 423.000. Dann kam 2020 mit 239.499, und die Erholung ist bis 2024 auf 335.900 gekommen — rund 80 Prozent des Niveaus von 2019. Die Tourismusintensität liegt bei 41.265 Übernachtungen je 1.000 Einwohner; das ist ein sehr hoher Wert und beschreibt ziemlich genau, was die Stadt ist.

Weitere Kennzahlen: 2.130 Gästebetten im gewerblichen Beherbergungsgewerbe (2022). Der Kurbeitrag liegt bei 3,60 Euro pro Person nach der Satzung ab 1. April 2025; darin enthalten sind Gradierwerk, Kurpark, ein Museumsbesuch, Stadtbus, Stadtführungen und saisonale Angebote, ermäßigt sind Therme, Freibad und Spielgolf.

Zur Einwohnerzahl gibt es je nach Quelle Werte zwischen 8.042 und 8.700. Der Grund ist die Umstellung auf den Zensus 2022 und verschiedene Stichtage. Wir nennen 8.141 zum 31. Dezember 2024 nach dem Hessischen Statistischen Landesamt.

Der Bruch der neunziger Jahre

Über die Kurkrise wird in Bad Sooden-Allendorf viel geredet und wenig gerechnet. Wir haben versucht, die örtlichen Zahlen zu finden: Klinikschließungen mit Jahr, Bettenabbau, Kurgastrückgang. Sie sind nicht veröffentlicht. Weder das Kurortentwicklungskonzept von 2023 noch das Stadtentwicklungskonzept von 2021 nennen dazu eine Zahl.

Belastbar ist der bundesweite Rahmen. Der Deutsche Bädertag zog 1997 Bilanz: im ersten Halbjahr 1997 sechs Millionen Übernachtungen weniger als im Vorjahr; die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung für stationäre Kuren um über 40 Prozent gesunken, für ambulante Kuren um fast 45 Prozent; Kurmittelumsätze minus 30, Kurtaxeinnahmen minus 28 Prozent; bis zu 50.000 Arbeitsplätze bedroht.

Für die Stadt selbst bleibt als Indikator die Einwohnerreihe. Sie fällt zwischen 1995 und 2010 um rund 1.900 Personen — zeitlich deckt sich das mit der Kurkrise ab 1996/97. Kausal belegt ist das in keiner Quelle, und wir behaupten es deshalb nicht. Wir stellen die beiden Verläufe nebeneinander und lassen den Schluss offen.

Und es geht weiter

Die Klinik Werra, Träger ist die Deutsche Rentenversicherung, wird bis 2027 geschlossen und mit der Klinik Kurhessen am selben Ort zusammengelegt. Die Bettenzahl der beiden Reha-Kliniken sinkt dabei von 440 auf 200 — 240 Betten weniger, aus wirtschaftlichen Gründen. Das ist die einzige harte Abbauzahl, die wir für diese Stadt gefunden haben, und sie ist von 2024.

Auch die Zahl der Kliniken selbst ist im Fluss: das Kurortentwicklungskonzept nennt 2023 sechs, andere Quellen fünf, die aktuelle Klinikseite der Stadt drei — Klinik Hoher Meißner, Klinik Kurhessen mit 320 Betten und die Sonnenberg Klinik. Wir nennen solche Zahlen deshalb nur mit Jahresangabe.

2019 wurde die Stadt in das Städtebauförderprogramm „Lebendige Zentren" aufgenommen; Fördergebiet sind die mittelalterliche Altstadt Allendorf und der historische Kurbezirk Sooden.

Eine Bitte

Wenn der Verein die örtlichen Zahlen der neunziger Jahre belegen kann — aus den Jahrgängen der Werra-Rundschau und der HNA von 1996 bis 2000, aus Geschäftsberichten der Kurbetriebe oder städtischen Haushaltsplänen —, dann gehört das auf diese Seite. Das Netz gibt es nicht her, das Archiv vielleicht. Wer mitsuchen will, ist willkommen.

Quellen

Stand dieser Seite: 28. September 2026.

Siehe auch Wagner 1865